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Westgerman Prostate Center
Klinik am Ring
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Protonen gegen Prostatakrebs – Sience fiction oder greifbare Möglichkeit?

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Die Experten des internationalen Kölner Update-Symposiums warnen vor nicht ausreichend geprüften Behandlungsmethoden

Köln, 1. März 2004:. – Therapien auf dem Prüfstand: Am Samstag endete das uro-onkologische Update-Symposium in Köln, das neben dem jetzigen Therapiestandard vor allem neuere Methoden zur Behandlung von Prostatakrebs wie die Protonenbestrahlung zur Diskussion stellte. „Gerade neuere Ansätze in der Behandlung von Prostatakrebs, zu denen auch die Bestrahlung mit Protonen zählt, sind noch nicht ausreichend erforscht und deshalb Zukunftsmusik“, fasst Dr. Gregor Spira, Strahlentherapeut und leitender Arzt am Westdeutschen Prostatazentrum das Ergebnis der Debatte unter namhaften Experten zusammen.

Statt wie bisher mit Photonen, soll es mit Protonen in Zukunft möglich sein, den Tumor noch gezielter bestrahlen zu können. Wissenschaftlich erwiesen ist dieser vermeintliche Vorteil bislang jedoch noch nicht. Auch Privatdozent Dr. L. Wisser, jetzt Oberarzt der Klinik für Strahlentherapie in Homburg an der Saar und vormals Forscher am Paul Scherer Institut für Protonenforschung in der Schweiz kommt in seinem Vortrag über den aktuellen Stand der Protonenforschung zu diesem Ergebnis. „Da es noch zu wenige Erkenntnisse über die Wirksamkeit dieser aufwändigen und deshalb sehr teuren Methode gibt, können wir Patienten derzeit nur davon abraten, sich einer Bestrahlung mit Protonen auszusetzen“, so Dr. Spira. Ganz anders fällt das Fazit im Bezug auf die bereits etablierten Strahlentherapien wie die Seed-Implantation (kurzstrahlende Strahlenquellen zerstören den Tumor direkt in der Prostata) und das Afterloading (der Tumor wird von aussen bestrahlt) aus: Aus der Sicht der Experten sprechen die guten bis sehr guten Langzeiterfahrungen für sich – als Alternative zur Radikaloperation bei Prostatakrebs haben sich diese Therapien im Gegensatz zu der Bestrahlung mit Protonen bewährt.

Bewährte Therapien und neue Ansätze
Die explosive technische Entwicklung scheint fast täglich neue Behandlungsmöglichkeiten hervorzubringen. Als führende Experten auf dem Gebiet der Behandlung von Prostatakrebs haben die Teilnehmer des Kölner Symposiums deshalb sowohl die bewährten Therapien wie die Seed-Implantation oder Afterloading-Therapie als auch neue Ansätze, so z. B. die Kryotherapie (Vereisung) oder die Bestrahlung mit Protonen, thematisiert und kritisch diskutiert. „Um im Sinne unserer Patienten täglich Effektivität, Nebenwirkungsraten und Wirtschaftlichkeit einer Therapie abwägen zu können, ist der regelmäßige Erfahrungsaustausch mit Kollegen unerlässlich“, betont Dr. Neubauer, Urologe und leitender Arzt im Westdeutschen Prostatazentrum „Solange uns noch keine Langzeitstudien zur Wirksamkeit neuer Therapien wie beispielsweise die Bestrahlung mit Protonen vorliegen, ist der Einsatz dieser Methoden für uns ausgeschlossen.“

Im Gegensatz zu diesen, noch am Anfang ihrer Entwicklung stehenden Therapien, werden die organerhaltende Seed-Implantation und das Afterloading bereits erfolgreich eingesetzt. Innerhalb der letzten eineinhalb Jahre, seit Eröffnung des Westdeutschen Prostatazentrums, haben sie über 500 Patienten geholfen, ihren Prostatakrebs zu besiegen. „Zusammen mit den Kollegen werden wir uns weiter dafür einsetzen, dass die Strahlentherapie in Deutschland als Standardbehandlung bei Prostatakrebs etabliert wird und somit die Radikaloperation von ihrem ersten Platz als, leider immer noch, am meisten durchgeführte Therapie verdrängt“, so Dr. Spira.

Das Who-is-Who in der Therapie von Prostatakrebs
Der Veranstalter, das Westdeutsche Prostatazentrum in der Klinik am Ring konnte dieses Jahr namhafte Experten als Referenten für das von der Ärztekammer mit fünf CME-Punkten zertifizierte Symposium gewinnen. Darunter der Direktor des Instituts Marie Curie Paris, Prof. Dr. Jean-Marc Cosset, Prof. Dr. P. Hammerer, Chefarzt der Klinik für Urologie im städtischen Klinikum Braunschweig und Privatdozent Dr. Klaus Herfarth vom Deutschen Krebsforschungsinstitut in Heidelberg. Ziel der Veranstaltung war es, sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen der verschiedenen Therapien aufzuzeigen und mit den Kollegen zu diskutieren.

Seed-Implantation und Afterloading: organerhaltend und minimal-invasiv
Es gibt in der Behandlung des Prostatakarzinoms zwei grundsätzliche Techniken der Strahlentherapie: die Seed-Implantation und die Afterloading-Therapie. Bei der Seed-Implantation werden unter ständiger Ultraschallkontrolle bis zu 80 kurzstrahlende, kleinste Strahlungsquellen (sogenannte “Seeds”) aus Jod in die Prostata eingesetzt. „Die Seeds verbleiben im Körper des Patienten und entfalten über Monate ihre Strahlenwirkung auf das Prostatakarzinom“, so Dr. Spira. „Das Tumorgewebe wird durch die hochdosierte, gezielte Strahlung von innen zerstört.“

Bei der Afterloading-Therapie wird dagegen nur eine einzige Strahlenquelle aus Iridium zur Bestrahlung eingesetzt. Diese fährt die zuvor unter Ultraschall gesetzten Punktionsnadeln einzeln ab und bestrahlt den Tumor vor Ort. Die reine Bestrahlungszeit dauert hierbei nur wenige Minuten und der Patient befindet sich währenddessen in einem speziellen Strahlenschutzbunker. Im Gegensatz zur Seed-Implantation verbleibt die Strahlungsquelle beim After-Loading nicht im Organ, die Bestrahlung erfolgt lediglich temporär und wird 1 bis 2mal in etwa einwöchigen Abständen wiederholt. Sowohl während der Seed-Implantation als auch bei der Afterloading-Therapie können die Urologen und Strahlentherapeuten die Behandlung in Echtzeitübertragung mittels modernster Computertechnik auf dem Monitor verfolgen. In der Regel werden beide Techniken der Brachytherapie im Westdeutschen Prostatazentrum kurzstationär durchgeführt - der Patient kann die Klinik spätestens am Tag nach dem Eingriff wieder verlassen.